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Willkommen beim Internet Angebot der interdisziplinären deutschsprachigen Liste "Menschliches Verhalten in evolutionärer Perspektive".Sie finden auf diesen Seiten eine Liste mit Adressen von Forschern und Personen verschiedener Teildisziplinen, die im Bereich des menschlichen Verhaltens im Kontext der Evolutionstheorie arbeiten. Desweiteren bieten wir aktuelle Informationen, Termine, Buecher und Texte zum Thema.

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Call for Abstracts Ad-hoc-Gruppe „Evolutionäre Soziologe: Zur Interaktion biologischer, sozialer und kultureller Einflüsse auf menschliches Verhalten" Gemeinsamer Kongress der Deutschen und Österreichischen Gesellschaft für Soziologie (23.-25. August 2021

Call for Abstracts
Ad-hoc-Gruppe „Evolutionäre Soziologe: Zur Interaktion biologischer, sozialer und kultureller Einflüsse auf menschliches Verhalten"
Gemeinsamer Kongress der Deutschen und Österreichischen Gesellschaft für Soziologie
23.-25. August 2021, Wien. https://kongress2021.soziologie.de

Organisationsteam:
Manfred Hammerl (Universität Graz), Nicole Holzhauser (TU Braunschweig), Sebastian Schnettler (Universität Oldenburg), Kai Willführ (Universität Oldenburg)

Mit dieser Ad-hoc-Session knüpfen wir an bereits erfolgreich durchgeführte Sessions zur Evolutionären Soziologie bei früheren Kongressen der Deutschen (2014, 2016 & 2018) und Österreichischen (2015, 2017 & 2019) Gesellschaft für Soziologie an. Während evolutionäre Erklärungen in den vergangenen Jahrzehnten in zahlreichen Disziplinen aufgenommen wurden, existierten in der Soziologie lange Zeit Vorbehalte (Meloni 2014), die eine ernsthafte Auseinandersetzung mit und eine Integration von biologischen Erklärungen in soziologische Modelle behindert haben.

Ausgehend von den USA (wo bereits seit 2004 die ‚ASA Section on Evolution, Biology & Society‘ existiert) lässt sich jedoch eine Öffnung der Sozialwissenschaften für evolutionäre Ansätze zur Erklärung menschlichen Verhaltens beobachten, die mittlerweile auch die Soziologie im deutschsprachigen Raum erreicht hat (Schnettler 2016). Als eigenständiges Feld begann sich die Evolutionäre Soziologie bereits Ende der 1970er Jahre herauszubilden. Ein stetiger Anstieg an Publikationen ist nun vor allem in den letzten zwanzig Jahren zu verzeichnen. So identifizierte Hopcroft (2015) bereits sechs intensiv beforschte Subfelder der Evolutionären Soziologie: ‚Emotions and Social Behavior‘, ‚Neurosociology‘, ‚Evolution and Social Behavior‘, ‚Genes and Social Behavior‘, ‚Hormones and Social Behavior‘ und ‚Societal Evolution‘. Jüngst bildete sich zudem noch das Feld der ‚Cultural Evolution‘ heraus. All diesen Subfeldern ist eine interdisziplinäre Ausrichtung gemein, die versucht, Ansätze und Forschungsdesigns anderer Disziplinen in die Soziologie zu integrieren. So bemüht sich etwa die ‚Genes and Social Behavior‘-Forschung um die Integration der Humangenetik und -epigenetik, während etwa im Bereich ‚Evolution and Social Behavior‘ erörtert wird, inwieweit die evolutionsbiologische Unterscheidung zwischen ultimaten und proximaten Gründen von Verhalten bei der Erforschung von sozialen Prozessen in modernen Gesellschaften hilfreich sein kann. Der wissenschaftliche Nutzen einer evolutionären Betrachtungsweise kann dabei insbesondere auch in Krisenzeiten wie der aktuellen Covid-19-Pandemie zu Tage treten (Seitz et al. 2020). Trotz zunehmender Forschungs- und Publikationstätigkeit ist der Institutionalisierungsgrad innerhalb der Soziologie größtenteils aber noch gering. Weder lassen sich entsprechende Bindestrichsoziologien identifizieren noch größere Forschungsverbünde.

Die sich abzeichnende, wenn auch im Vergleich zu anderen Disziplinen verspätete, Öffnung der Soziologie für biosoziale Erklärungen menschlichen Verhaltens liegt möglicherweise darin begründet, dass mittlerweile ausreichend dargelegt werden konnte, dass alte Vorbehalte und Sorgen gegenüber solchen Erklärungen nicht begründet sind (Meloni 2014). So zeigen aktuelle verhaltensgenetische Arbeiten, dass Gene und Umwelt nicht etwa als additive oder gar sich entgegenstehende Einflussfaktoren auf Verhalten zu verstehen sind, sondern dass Gene und sozialer Kontext in vielfältiger Weise in Wechselbeziehung zu einander stehen (Conley und Fletcher 2017; Diewald 2010). Ebenso zeigen Arbeiten zu hormonellen Einflüssen auf Verhalten die komplexe Ko-Determination von Verhalten, sozialem Kontext und individuellen Hormonkonzentrationen im Lebensverlauf (Booth et al. 2006). Somit heben sich Arbeiten einerseits von einem biologischen Determinismus und andererseits von einem sozialen Konstruktivismus ab.

Die Ad-hoc-Session am Kongress in Wien soll nun erneut ein Forum für verschiedene Forschungsbeiträge an der Schnittstelle von Biologie, Evolutionspsychologie und Soziologie innerhalb der deutschsprachigen Soziologie bieten und sich dabei u.a. den Fragen widmen: Was kann die Integration biologischer/evolutionärer Erklärungsansätze in die Soziologie leisten? Was kann die Soziologie zur Aufklärung des komplexen Zusammenspiels biologischer, kultureller und sozialer Mechanismen beitragen? Lässt sich eine Anschlussfähigkeit zu den Lebenswissenschaften herstellen, die sich seit Jahren öffentlichkeitswirksam mit evolutionären Einflüssen auf menschliches Verhalten beschäftigen? Was kann eine evolutionäre Betrachtungsweise zur Erklärung menschlichen Verhaltens in Zeiten der Covid-19-Pandemie leisten?

Um Einreichung von Beiträgen, die sich bspw. mit hormonellen, genetischen oder neurophysiologischen Einflüssen auf menschliches Verhalten beschäftigen (z.B. im Rahmen der „Sociogenomics“ und „Neurosociology“) wird ebenso gebeten wie um Arbeiten, die Verhalten in Hinblick auf eine ultimate Kausalitätslogik und mit Bezügen zur Evolutionsbiologie bzw. -psychologie untersuchen. Bevorzugt werden Beiträge, welche die Interaktion sozialer bzw. kultureller Mechanismen und biologischer bzw. evolutionärer Mechanismen empirisch untersuchen oder die empirische Umsetzung biosozialer Fragestellungen explizit zum Thema machen. Für die Session sind insgesamt fünf Beiträge zu je max. 20 Minuten geplant.

Wir erbitten die Einreichung eines Abstracts (max. 2.400 Zeichen – exkl. Titel – inkl. Leerzeichen) bis zum 15. April 2021 an die OrganisatorInnen der Ad-hoc-Gruppe:
Manfred Hammerl, Universität Graz, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Nicole Holzhauser, TU Braunschweig, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Sebastian Schnettler, CvO Universität Oldenburg, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Kai Willführ, CvO Universität Oldenburg, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Literatur:
Booth, A. et al. (2006): Testosterone and Social Behavior, in: Social Forces 85: 167–191.
Conley, D. / Fletcher, J. (2017): The genome factor: what the social genomics revolution reveals about ourselves, our history, and the future. Princeton: Princeton University Press.
Diewald, M. (2010). Zur Bedeutung genetischer Variation für die soziologische Ungleichheitsforschung/On Genetic Variation and Social Inequality, in: Zeitschrift für Soziologie 39: 4–21. Hopcroft, R. (2015): Evolutionary Sociology, in: International Encyclopedia of the Social & Behavioral Sciences, 2nd ed., Vol. 8, pp. 463-468.
Meloni, M. (2014): Biology without Biologism: Social Theory in a Postgenomic Age, in: Sociology 48: 731–746.
Schnettler, S. (2016): Evolutionäre Soziologie, in: Soziologische Revue 39: 507–536.
Seitz, B.M. et al. (2020): The pandemic exposes human nature: 10 evolutionary insights, in: PNAS, Vol. 117, No. 45, pp. 27767-27776. View publication stats

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