Ein Gedankenexperiment zur Besonderheit des menschlichen Seins in der Evolution

 

Welche Rolle spielt das menschliche Sein in der Evolution? Beruht es auf einer einfachen Fortführung der Evolution, die bis zum Tier geführt hat, so dass es gemäß Darwin durchaus nicht berechtigt, den Menschen auch nur in eine besondere Ordnung zu stellen (Vgl. Charles Darwin, Die Abstammung des Menschen, Stuttgart 2002, S. 194), oder zeichnet das menschliche Sein in der Evolution eine einzigartige Besonderheit aus, die schon Darwins Zeitgenosse und Mitentdecker der Evolutionstheorie, Alfred Russel Wallace, mit den Worten umschreibt, dass mit dem menschlichen Sein ein Instrument entwickelt wurde, das den Bedürfnissen seines Besitzers vorauseilt (an instrument beyond the needs of its possessor“, wie es in dem Essay „The Limits of Natural Selection as Applied to Man“ aus dem Jahre 1870 von Wallace heißt)? Für Wallace ist mit dem menschlichen Sein etwas grundsätzlich Neues in der Evolution aufgetreten, so wie bei der Entstehung des Lebens selbst oder dem Übergang von der Pflanze zum Tier.

 


Die heutige (Sozio)Biologie steht mit ihrem gen-zentrierten Ansatz in der Betrachtung des menschlichen Seins auf der Seite von Darwin, während Konrad Lorenz mit folgender Aussage die Vermutung von Wallace fortführt. Allerdings begründet Lorenz das im Gegensatz zu Wallace auf rein natürliche Weise:

„Während all der gewaltigen Epochen der Erdgeschichte, während deren aus einem tief unter den Bakterien stehenden Vor-Lebewesen unsere vormenschlichen Ahnen entstanden, waren es die Kettenmoleküle der Genome, denen die Leistung anvertraut war, Wissen zu bewahren und es, mit diesem Pfunde wuchernd, zu vermehren. Und nun tritt gegen Ende des Tertiärs urplötzlich ein völlig anders geartetes organisches System auf den Plan, das sich unterfängt, dasselbe zu leisten, nur schneller und besser. [...] Es ist daher keine Übertreibung zu sagen, dass das geistige Leben des Menschen eine neue Art von Leben sei(Konrad Lorenz, Die Rückseite des Spiegels, München 1987, S. 217).

Das, was Evolution ist und trägt und ohne das Evolution nicht möglich ist, nämlich die systematische Informationsgewinnung, -speicherung, -veränderung und -anwendung, geschah bis zum Menschen nur genetisch, mit dem Menschen dann jedoch auch auf neuronale Weise.

 

Diese von Lorenz erkannte Eigenart oder Besonderheit des menschlichen Seins soll folgendes Gedankenexperiment verdeutlichen. Angenommen eine bestimmte Zahl menschlicher Neugeborener wird in die Obhut von wild lebenden Affen gegeben oder anderweitig nur unter Gewährung der biologischen Grundbedürfnisse aufgezogen. Entscheidend ist auf jeden Fall, dass diese Neugeborenen dauerhaft ohne jeglichen Kontakt zur heutigen menschlichen Kultur und Zivilisation aufwachsen, leben und sich fortpflanzen. Was geschieht dabei?

Auch ohne eine Aufnahme in einer Affenhorde existieren diese Wesen in ihrem Verhalten zunächst nur als Tier, denn die genetisch verankerten Instinktprogramme sind, da angeboren, natürlich vorhanden und wirken. Was aber macht sich bei ihnen vom spezifischen menschlichen Sein und Verhalten von der Gesellschaft, aus der sie stammen, bemerkbar? Sind diese Wesen fähig dazu, sich in einer Sprache, gar der ihrer Herkunft, zu verständigen? Nein, denn es ist niemand da, der ihnen das oder andere kulturelle Dinge lehren könnte. Ohne jeglichen Kontakt zu einer menschlichen Kultur besitzen oder übernehmen diese Wesen nichts an menschlicher Kultur, d.h. menschlich und kulturell müssen sie wieder bei Null anfangen. Genetisch ist ihnen dagegen nicht nur die äußere Körperform mitgegeben, sondern auch ein kompletter Satz an Verhaltensweisen oder Instinkten, um biologisch in dieser Welt als Tier zu existieren.

Etwas muss ihnen aber schon genetisch mitgegeben worden sein, um sich als Mensch zu entwickeln, denn ansonsten könnte ja ein Tierbaby zum Menschen erzogen werden. Das, was ihnen genetisch mitgegeben wurde, ist die Fähigkeit zu einer umfassenden Abstraktion der Sinneswahrnehmungen, d.h. darin unterscheiden sie sich von Anfang an von den Tieren. Schon höhere Tiere wie etwa die Affen können ansatzweise Werkzeuge nutzen. Darin würden sich die menschlichen Wesen wahrscheinlich als erstes schnell von ihrem Tier-Sein abheben, da ihr Abstraktionsvermögen ihnen den Werkzeuggebrauch in einem sehr viel höheren Maße erlauben würde. Auch etwa bei einer gemeinsamen und darin abgestimmten Jagd würde sich dieses Abstraktionsvermögen schnell als sehr vorteilhaft bemerkbar machen und schnell könnten sie sich dann wahrscheinlich durch Gestik und Mimik verständigen. Das wiederum würde sich zu dem weiterentwickeln, das auch schon höhere Tier in Ansätzen besitzen und das das Abstraktionsvermögen erst so richtig zur Geltung und Entfaltung kommen lässt: die Sprache.

Was das menschliche Abstraktionsvermögen eigentlich ausmacht, beschreibt paradoxerweise Darwin sehr treffend, denn er sieht das Gehirn des Menschen als „wunderbare Maschine, die allen Arten von Dingen und Eigenschaften Zeichen beilegt und Gedankenreihen wachruft, die niemals durch bloße Sinneseindrücke entstehen könnten, oder, wenn dies der Fall wäre, doch nicht weiter verfolgt werden könnten“ (Darwin 2002, 268), wobei daraus „die höheren intellektuellen Fähigkeiten, wie das Schließen, Abstrahieren, das Selbstbewußtsein usw., entstanden“ (Darwin 2002, 268). Dieses „Dingen und Eigenschaften Zeichen beilegen“ kommt als neuronaler Vorgang (der erst gelernt werden muss) vor allem in der Sprache zum Tragen, ja das ist Sprache. Doch die »ausgesetzten« menschlichen Wesen stehen vor dem Problem, eine Sprache nicht nur lernen zu müssen (was normalerweise jedes Kleinkind mitsamt Dialekt besser kann als jeder Erwachsene auf dem Höhepunkt seiner geistigen Leistungsfähigkeit), sondern diese Wesen müssen erst einmal eine Sprache bzw. einen systematischen Code der Zeichenbeilegung überhaupt entwickeln.

Wenn das nach langer Zeit geschehen ist, entsteht dadurch nach Darwins Worten nicht nur das „Schließen und Abstrahieren“ (als Logik, analog zum über die Sinne abgebildeten kausalen, naturgesetzlichen Geschehen der materiellen Ebene), sondern auch das von Darwin genannte Selbstbewusstsein. Darin legt sich der Mensch sozusagen selbst ein Zeichen bei und erkennt sich in dieser seiner neuen Fähigkeit der gedanklichen Abstraktion als Person.

Diese Fähigkeit ist aber nicht nur von Vorteil, denn darin erkennt der Mensch, besonders in einer Welt des  täglichen Überlebenskampfes, auch seine Vergänglichkeit und den Tod. Wenn der Mensch sich etwa verletzt, so kann er dieses kausale Geschehen auf der materiell-körperlichen Ebene gut in der Logik seiner gedanklichen Abstraktionen abbilden und nachvollziehen. Doch wenn ein Mensch an einer Vireninfektion stirbt, so ist für diese ausgesetzten menschlichen Lebewesen keine Ursache zu erkennen. Und was geschieht überhaupt mit dem gestorbenen Menschen? Diese Personen waren doch in dem neuen Erkennen genauso real vorhanden wie ihre Körper. Während aber der Verbleib oder das Vergehen des Körper noch sinnhaft und logisch nach dem Tod verfolgt werden kann, ist die Person schlagartig ohne jeglichen Hinweis verschwunden. Wo ist sie oder in was hat sie sich aufgelöst?

Bei diesen logischen Fragen hilft den ausgesetzten Wesen nun wiederum ihr Abstraktionsvermögen, denn damit können sie sich nun auch übernatürliche Kräfte, Wesen und Welten vorstellen, die zwar nicht sichtbar sind, mit deren Hilfe aber die Lücke in der Logik zu schließen ist. Zusätzlich ersetzen diese übernatürlichen Wesen die durch die Freiheit des selbstbestimmten Handelns und des selbstbewussten Seins in einer vergänglichen Welt voller Gefahren verlorengegangene emotionale Geborgenheit des animalischen Instinktsystems. Damit ist die Religion geboren, und sie ist somit die logische Folge der angeborenen menschlichen Eigenschaft des Abstraktionsvermögens als Geist- und Kulturentwicklung in einer vergänglichen Welt voller Gefahren.

Die Religion entwickelt sich dann zusammen mit diesen ausgesetzten menschlichen Wesen und spielt eine sehr hilfreiche Rolle in deren weiterer Entwicklung. So ist es ab einem bestimmten Punkt dieser Entwicklung, etwa wenn die Menschen sesshaft werden und in größeren Gemeinschaften eng zusammenleben, weniger hilfreich, sich die Unterstützung der allmächtigen übernatürlichen Wesen durch Menschen- oder Tieropfer zu sichern, sondern durch das »Opfer« der Befolgung moralischer Vorschriften, die diese übernatürlichen Wesen in dem emotional geprägten Glauben der Menschen erlassen haben. Es ist so in der Gemeinschaft der ausgesetzten menschlichen Lebewesen etwa nicht mehr gestattet, einem körperlich unterlegenen Mitglied dieser Gemeinschaft gemäß den in den Genen verankerten instinkthaften Verhaltensweisen einfach etwas wegzunehmen oder diesen Mitmenschen zu töten. Das ist bei den ausgesetzten Menschen nun plötzlich ein »böses« Verhalten, das durch das übernatürliche Wesen und damit auch durch die Gemeinschaft, die an dieses übernatürliche Wesen glaubt, bestraft wird. Im subjektiven Bewusstsein der ausgesetzten menschlichen Lebewesen befolgen diese das neue Verhalten, weil es das übernatürliche Wesen geboten hat. Objektiv gesehen ist dieses neue Verhalten aufgrund veränderter Lebensbedingungen jedoch aus rein natürlichen Gründen einfach notwendig.

Das in den Genen als Instinkt verankerte natürliche Recht des Stärkeren, das das Tier-Sein und damit auch die ausgesetzten menschlichen Lebewesen zunächst noch vollständig bestimmt, wird bei diesen ausgesetzten Wesen nun auf einmal durch ein anderes Verhalten berichtigt und ersetzt, das darin keine genetischen Wurzeln mehr hat. Es ist durch die Fähigkeit des menschlichen Abstraktionsvermögens entstanden, und zwar in der Art, dass diese Fähigkeit zunächst die Lebensweise der Menschen verändert hat, etwa indem sie nicht mehr in kleinen Stämmen vom Jagen und Sammeln, sondern sesshaft in größeren Gemeinschaften von Handwerk und Handel leben. Zu dieser neuen Lebensweise passen nun aber manche der alten angeborenen Instinkte nicht mehr. Wie soll sich das Verhalten an die neue Lebensweise anpassen, auf die alte, darin sehr langwierige Art der genetischen Evolution, indem die Lebewesen, die die erforderliche neue Verhaltensweise nicht genetisch besitzen, ausselektiert werden? Nein, die Anpassung des Verhaltens geschieht nun ebenfalls mit Hilfe der geistigen Fähigkeiten des Menschen, nur eben hier zunächst über die Vorstellung übernatürlicher Wesen, die in dieser Vorstellung das notwendige neue Verhalten als »Opfer« im Austausch für Schutz und Geborgenheit verlangen.

Diese neuen, moralischen Verhaltensweisen sind nicht in einer genetischen Evolution entwickelt worden und sie sind demnach natürlich auch nicht genetisch verankert, so dass die ausgesetzten menschlichen Lebewesen sie von vornherein wie ihre Instinkte besessen hätten. Die religiösen Vorstellungen samt der religiösen Verhaltensanpassung ist kultureller Art und ist darin, was Konrad Lorenz in seiner oben zitierten Erkenntnis erkannt hat, in dieser geistigen und kulturellen Art viel schneller als die genetische Verhaltensanpassung. Ohne den »Umweg« des Glaubens an übernatürliche Wesen kann diese geistige Verhaltensanpassung als vernünftiges Denken sogar sekundenschnell erfolgen. Da diese kulturelle Verhaltensanpassung auch nicht die leidvolle Selektion der Lebewesen erfordert, wie im Fall der Verhaltensanpassung durch genetische Evolution, ist sie in ihrer geistigen Art nicht nur viel schneller, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auch das, was wir »human« nennen.

Der Nachteil besteht natürlich darin, dass die unangepasst gewordenen genetisch verankerten Verhaltensweisen nicht eliminiert, sondern nur kulturell überdeckt werden, so dass, wie etwa in der Kriminalität, scheinbar stets ein Teufel am Werk ist, der zum alten Verhalten hin verführen will. Das gilt nicht nur für das Individuum, sondern auch eine ganze Gesellschaft kann, wie etwa die deutsche vor und während des Zweiten Weltkrieges, wieder in das in den Genen verankerte animalische Verhalten zurückfallen, hier als verklärte Überhöhung des eigenen »Stammes« , unter gleichzeitiger Verfemung der konkurrierenden »Nachbarstämme«, denen dabei zum Teil sogar das Mensch-Sein abgesprochen wird. Diese Nachbarn mit Gewalt zu verdrängen und zu beherrschen, um neuen Lebensraum zu gewinnen, gehört ebenfalls mit zu diesem Verhalten, das in der Zeit als die Menschen noch als Jäger und Sammler lebten, ein »gutes« und angepasstes Verhalten der genetischen Selektion war, um das Überleben des Stärksten und die Weiterentwicklung zu gewährleisten.

Die ehemalige Angepasstheit oder das einst »Gute« dieses Verhaltens ist sogar noch im Heiligen Buch des Christentums nachzuweisen. So gebietet und fordert im fünften Buch Mose/Deuteronomium, Kapitel 20, Vers 13-17 (Einheitsübersetzung) der Gott des Alten Testamentes geradezu noch den Völkermord besonders an den direkten Nachbarvölkern („ ...darfst du nichts, was Atem hat, am Leben lassen. Vielmehr sollst du die Hetiter [..] der Vernichtung weihen“). Dieses »böse« Verhalten wird erst mit dem neutestamentlichen Gott zur größten Sünde überhaupt, wobei dieser Wechsel theologisch nicht zu erklären ist (da der religiöse Glaube in erster Linie emotional geprägt ist, spielen dieser Widerspruch wie auch andere darin keine große Rolle).  Im evolutionären Verständnis dagegen ist dieser Wechsel gar kein Widerspruch, sondern vielmehr die Bestätigung des evolutionären Verständnisses der Religion.

Dieses in den Genen verankerte Verhalten, das noch im alten Testament »gut« und ein göttliches Gebot war,  ist aber wie gesagt durch die kulturelle Verhaltensanpassung nicht verschwunden, es kann auch unter den modernen Bedingungen, wenn die dünne Decke der Kultur unter bestimmten Umständen durchbrochen wird und das darunter liegende Animalische zum Ausbruch gelangt, sofort wieder mit Macht als ein emotional sehr vertrautes und darin wahres Verhalten hervortreten und erklärt so etwa die Begeisterung im deutschen Nationalsozialismus.

 

In der weiteren, durch das Abstraktionsvermögen ermöglichten Entwicklung der ausgesetzten menschlichen Lebewesen erfordert der aufgrund der geistigen Fähigkeiten zunehmende Handel immer größerer menschlicher Gemeinschaften dann auch so etwas wie eine Schrift. Diese Schrift würde sich natürlich genauso, wenn nicht noch mehr, von unserer westlichen Schrift unterscheiden, wie es etwa bei den chinesischen Schriftzeichen der Fall ist.

Das, was sich bei diesen ausgesetzten Lebewesen mit ihrer allmählichen Überwindung des angeborenen animalischen Verhaltens als weiterer Meilenstein mit Sicherheit mit der Zeit ebenfalls entwickelt, sind Menschenrechte und Demokratie. Das wird sich aus dem Grunde mit Sicherheit entwickeln, weil gemäß dem Zitat und der Erkenntnis von Konrad Lorenz das menschliche Abstraktionsvermögen eine neue Form dessen ist, was Evolution trägt und ausmacht, nämlich die systematische Informationsveränderung, -entwicklung, -speicherung und -anwendung, die sich, natürlich in Auseiandersetzung mit dem genetischen Erbe der alten Evolution, immer mehr entwickelt und sich darin immer mehr gegenüber der alten Form der Evolution emanzipiert.

Die Demokratie ist deswegen auf diesem Weg ein Durchbruch, weil sich hierbei die Wirkungsweise der neuen Evolution gegenüber der der alten Evolution etabliert und durchsetzt. In der Demokratie ist sichergestellt, dass die zur weiteren Evolution nötigen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Möglichkeiten der Weiterentwicklung nicht mehr auf die Weise der alten Evolution gelöst werden, nämlich über das Recht des physisch Stärkeren, also über die Gewalt, sondern nur noch auf die Weise der neuen Evolution selbst, also über die geistige Auseinandersetzung. Das ist das eigentliche Wesen der Demokratie, denn mitbestimmen kann auch in einer Diktatur schon jeder zu jederzeit, nur eben über die Weise, in der sich ein Diktator durchsetzt und an der Macht hält: über die Gewalt. Die Demokratie ist daher ein ganz entscheidender Schritt in der Emanzipation der neuen Evolution und damit in der Emanzipation des Mensch-Seins von seinem animalischen Sein und Verhalten, ja in der Demokratie offenbart sich nichts anderes als die neue, geistige Art der Evolution und Demokratie ist die neue Evolution.

 

Vielleicht gelangen auf diesem Weg der noch einmal begonnenen natürlichen Menschwerdung die ausgesetzten menschlichen Wesen aufgrund besonderer oder glücklicher Umstände viel weiter, als wir zum heutigen Zeitpunkt, d.h. sie glauben dann nicht nur in technischer, sondern auch in sozialer und moralischer Hinsicht nicht mehr an die Existenz und den Einfluss übernatürlicher Kräfte und Wesen, sondern erkennen das als notwendigen aber letztlich zu überwindenden Zwischenschritt ihrer rein natürlichen Menschwerdung; sind sich dadurch ihres animalischen Erbes bewusst und durchschauen und verbannen dadurch endgültig die gewalttätige Auseinandersetzung zur Problemlösung als animalische Form des Verhaltens und der Entwicklung; verwirklichen damit die Demokratie nicht nur national sondern auch global; erkennen weiterhin, dass alle heute lebenden Menschen, abgesehen von einigen äußerlichen Nebensächlichkeiten wie der Hautfarbe, in ihrem eigentlichen menschlichen Wesen der Abstraktionsfähigkeit und der damit verbundenen Geist- und Kulturentwicklung alle gleich sind; und sie sehen ihren Lebenssinn nicht mehr wie einst die »Jäger und Sammler« der Steinzeit im möglichst exzessiven Jagen und Sammeln materieller Werte, sondern nur noch im Jagen und Sammeln geistiger und kultureller Werte, die das menschliche Sein eigentlich ausmachen. In allen diesen Punkten wird deutlich, das der rein natürliche Menschwerdungsprozess noch lange nicht abgeschlossen ist, sondern darin erst zur vollen Entfaltung kommt. Der heutige Mensch hat das alles noch nicht verwirklicht, ihm fehlt es dazu noch an Geist und Kultur.

 

Würden nun wiederum Neugeborene unserer heutigen Kultur bei diesen Menschen ausgesetzt werden, die die Kulturentwicklung noch einmal neu durchlaufen haben und dabei viel weiter als wir heute gekommen sind, wie auch umgekehrt ein Neugeborenes dieser Menschen in unserer Kultur, so würden beide Neugeborene innerhalb weniger Jahre die Kultur, in der sie aufwachsen, ununterscheidbar von den anderen Menschen dieser Kultur übernehmen und ihr geistig-kulturelles Sein darin erlangen - genauso, wie es heute bei Menschen der Fall ist, die in einer ihren Eltern noch völlig fremden Kultur aufwachsen. Denn genetisch hat sich seit dem Auftreten dieser menschlichen Besonderheit der Geist- und Kulturentwicklung, bis auf einige nebensächliche Äußerlichkeiten, nicht viel verändert (u.a. deswegen, weil ab einem bestimmten Punkt der Kulturentwicklung die genetische Selektion außer Kraft gesetzt wird). Die weitere Entwicklung von Geist und Kultur kann also, im wahrsten Sinne des Wortes und dieses Gedankenexprimentes, theoretisch sehr schnell geschehen – oder auch wieder weit ins Animalische zurückfallen (so wie bei uns vor 70 Jahren). Das gehört zur besonderen Eigenart dieser neuen Form der Evolution.

Auf jeden Fall ist das menschliche Sein nur mit dieser neuen, geistig-kulturellen Evolution erklärbar, nicht dagegen nur im Rahmen der genetischen Evolution.

 

 

 

 

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